
Einsteiger Bürostühle · Test
hjh OFFICE Vivadapt
verstellbar wie ein Premiumstuhl?
Verstellbare Sitztiefe, 3D-Armlehnen, eine höhenverstellbare Lordosenstütze und eine Kopfstütze, die sich in Höhe und Neigung anpassen lässt: Auf dem Papier bringt der hjh OFFICE Vivadapt alles mit, was du sonst eher bei deutlich teureren Bürostühlen findest.
Ob sich das im Alltag auszahlt, hängt aber weniger von der Zahl der Hebel ab als von ihrem Verstellbereich. Und der ist beim Vivadapt klar auf größere Menschen zugeschnitten.
Ab € 190
67/100 · Unsere Bewertung
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- Beschreibung
- Galerie
Warum entscheiden sich Käufer für den Vivadapt?
Der wichtigste Grund ist die Sitztiefenverstellung. Bei Einsteigerstühlen fehlt sie meistens, obwohl gerade sie darüber entscheidet, ob deine Oberschenkel vollständig auf der Sitzfläche aufliegen. Der Vivadapt hat sie, und dazu eine Lordosenstütze, die du in der Höhe an deinen unteren Rücken anpasst.
Ein zweites Argument ist die Synchronmechanik mit automatischer Gewichtsanpassung. Der Gegendruck der Rückenlehne richtet sich von selbst nach deinem Körpergewicht. Du musst also nicht erst an einem Drehknopf kurbeln, bis sich das Zurücklehnen richtig anfühlt. Teilst du den Stuhl im Homeoffice mit deinem Partner, ist das besonders praktisch: Jeder setzt sich hin, und die Mechanik stellt sich auf das jeweilige Gewicht ein.
Hinzu kommt die Kombination der Materialien. Die Rückenlehne ist mit atmungsaktivem Netzgewebe bespannt, die Sitzfläche mit robustem Stoff bezogen. So bleibt dein Rücken auch an heißen Sommertagen im Arbeitszimmer unterm Dach kühler, während der Sitz den Komfort eines gepolsterten Bürostuhls behält.
Für wen eignet sich der Vivadapt?
Am meisten holen Menschen mit durchschnittlicher bis großer Körpergröße aus diesem Stuhl heraus, ob im Homeoffice oder im Büro. Der Hersteller nennt einen Bereich von 1,55 bis 1,95 Meter, doch die niedrigste Sitzhöhe von 47 Zentimetern schiebt die Untergrenze in der Praxis nach oben. Bist du kleiner als etwa 1,75 Meter, stehen deine Füße ohne Fußstütze wahrscheinlich nicht flach auf dem Boden. Auch die kürzeste Sitztiefe von 48 Zentimetern ist für kurze Oberschenkel großzügig bemessen. Ab dieser Körpergröße passt der Vivadapt gut, solange du nicht mehr als 120 Kilo wiegst.
Die Technik hinter dem Vivadapt
Verschiebbarer Sitz
Mit sieben Zentimetern Spielraum passt du die Sitztiefe an die Länge deiner Oberschenkel an.
Automatischer Gegendruck
Die Synchronmechanik stellt den Widerstand der Rückenlehne selbst auf dein Körpergewicht ein.
Kopfstütze in zwei Richtungen
Höhe und Neigung sind einstellbar, damit dein Kopf beim Zurücklehnen Halt findet.
Strapazierfähiger Sitzbezug
Laut Hersteller übersteht der Polyesterbezug 100.000 Scheuertouren.
Vom Oberschenkel bis zum Hinterkopf gestützt
Ergonomisch arbeitet der Vivadapt mit drei Zonen: der Sitzfläche unter deinen Oberschenkeln, der Lordosenstütze im unteren Rücken und der Kopfstütze ganz oben. Alle drei lassen sich einstellen, was in dieser Klasse keine Selbstverständlichkeit ist. Entscheidend ist, wie gut diese Zonen zusammenspielen, wenn du vom aufrechten Tippen in eine zurückgelehnte Haltung wechselst.
Sitztiefe für lange Oberschenkel
Über die Sitztiefenverstellung verlängerst du die Sitzfläche um sieben Zentimeter. Das ist vor allem bei langen Oberschenkeln angenehm. Ist die Sitzfläche zu kurz, ragen die Oberschenkel über die Kante hinaus. Das Gewicht verteilt sich dann auf eine kleinere Fläche, und der Druck auf die Sitzbeinhöcker steigt. Stell die Sitztiefe so ein, dass zwischen Vorderkante und Kniekehle zwei bis drei Finger Platz bleiben. So drückt die Kante nicht auf Blutgefäße und Nerven hinter dem Knie. Rutschst du nach einer Stunde unruhig hin und her, steht der Sitz oft ein Stück zu weit vorn.
Lordosenstütze und Rückenlehne
Die Lordosenstütze ist höhenverstellbar. Damit setzt du die Wölbung genau dort an, wo dein unterer Rücken nach innen schwingt, meist knapp oberhalb des Gürtels. Tiefe oder Härte lassen sich nicht einstellen, die Stärke der Unterstützung ist vorgegeben. Auch die Rückenlehne selbst hat eine feste Höhe von 60 Zentimetern. Die gesamte Anpassung an deinen Rücken übernimmt also die Lordosenstütze, und das nur in der Höhe. Bei einem ausgeprägten Hohlkreuz oder einem sehr flachen Rücken reicht das womöglich nicht, damit die Lehne wirklich anliegt.
Kopfstütze beim Zurücklehnen
In Höhe und Neigung lässt sich die Kopfstütze verstellen. So stützt sie deinen Hinterkopf, wenn du dich zurücklehnst, etwa in einer Videokonferenz, in der du nur zuhörst, oder beim Durchlesen eines langen PDFs. Beim aufrechten Tippen brauchst du sie kaum. In dieser Haltung sollte dein Kopf frei über den Schultern balancieren. Stell die Kopfstütze deshalb nicht direkt an den Kopf, sondern knapp dahinter. Dann greift sie erst, wenn du dich nach hinten lehnst, und drückt deinen Kopf beim Arbeiten nicht nach vorn.
Geeignet für langes Homeoffice-Arbeiten?
Für acht Stunden Sitzen pro Tag gibt der Hersteller den Stuhl an. Netzrücken, mitschwingende Rückenlehne und verstellbare Sitztiefe machen das plausibel. Eine Prüfung nach DIN EN 1335 oder ein GS-Zeichen wird allerdings nirgends genannt. Es gibt also keine unabhängige Bestätigung, dass der Stuhl die Anforderungen an intensive Büroarbeit erfüllt. Für eine volle Arbeitswoche im Homeoffice ist der Vivadapt trotzdem eine solide Basis, vorausgesetzt, du stellst ihn einmal sorgfältig auf dich ein und wechselst danach regelmäßig zwischen aufrechtem Sitzen und Zurücklehnen.
Einstellmöglichkeiten: was genau kannst du anpassen?
Insgesamt bietet der Vivadapt sechs Stellschrauben: Sitzhöhe, Sitztiefe, Lordosenstütze, Kopfstütze, Armlehnen und Mechanik. Die Gasfeder liefert zehn Zentimeter Verstellweg in der Höhe. Sitztiefe, Lordosenstütze und Kopfstütze haben wir oben bereits behandelt. Mechanik und Armlehnen verdienen einen eigenen Blick, weil hier der Unterschied zwischen einer guten und einer mittelmäßigen Einstellung am größten ist.
Synchronmechanik mit vier Positionen
Bei einer Synchronmechanik neigen sich Sitz und Rückenlehne in einem festen Verhältnis: Die Lehne geht weiter nach hinten als der Sitz. So bleibt dein Becken an seinem Platz, und das Hemd rutscht nicht aus der Hose. Der Vivadapt lässt sich in vier Positionen arretieren, du kannst die Lehne also auch in einer leicht zurückgelehnten Haltung feststellen. Den Gegendruck regelt der Stuhl selbst anhand deines Gewichts. Das ist bequem, bedeutet aber auch, dass es keinen Drehknopf gibt, mit dem du nachregeln kannst, wenn dir die Lehne zu leicht oder zu schwer nachgibt.
Armlehnen in drei Richtungen
Die Armlehnen fahren nach oben und unten, lassen sich nach vorn und hinten schieben und nach innen oder außen schwenken. Die Armlehnenhöhe reicht von 19 bis 26 Zentimetern. Damit bringst du deine Unterarme auf die Höhe der Tischplatte, sodass die Schultern beim Tippen entspannt bleiben. Die Winkelverstellung hilft vor allem, wenn die Tastatur nah vor dir liegt: Dreh die Vorderseite leicht nach innen, und deine Unterarme liegen in einer Linie mit den Händen. Eine seitliche Verschiebung, die vierte Richtung bei teureren Stühlen, fehlt.
Bau, Material und Verarbeitung
Bei der Materialwahl steht die Funktion im Vordergrund, nicht die Optik. Das Fußkreuz besteht aus Nylon statt Aluminium, und mit 16,8 Kilo ist der Stuhl leichter als viele massiver gebaute Bürostühle. Zur Klasse der Gasfeder macht der Hersteller keine Angabe. Geliefert wird der Vivadapt unmontiert, mit einer Anleitung für den Zusammenbau.
Sitz und Rückenlehne
Der Sitzbezug besteht zu 100 Prozent aus Polyester. Laut Hersteller übersteht der Stoff 100.000 Scheuertouren. Das ist ein hoher Wert, der darauf hindeutet, dass der Bezug nicht schnell pillt oder an stark beanspruchten Stellen dünn wird. Die Rückenlehne ist mit Netzgewebe bespannt, das Luft durchlässt und sich dadurch kühler anfühlt als ein gepolsterter Rücken. Zu Dicke und Raumgewicht des Sitzschaums nennt der Hersteller nichts, dabei entscheidet genau das darüber, wie sich der Sitz nach ein paar Jahren hält.
Fußkreuz und Rollen
Mit 70 Zentimetern Durchmesser hat das Fußkreuz ein übliches Maß, das den Stuhl auch beim Zurücklehnen stabil hält. Die fünf Rollen sind belastungsabhängig gebremst: Sie rollen erst frei, wenn jemand auf dem Stuhl sitzt. Stehst du auf, bleibt der Stuhl stehen, statt wegzurollen. Auf glattem Parkett oder Fliesen ist das praktisch, weil der Stuhl nicht gegen Schrank oder Wand rollt. Laut Hersteller eignen sich die Rollen für alle Böden, auf Hartböden empfiehlt er trotzdem eine Bodenschutzmatte gegen Kratzer.
Ist der hjh OFFICE Vivadapt sein Geld wert?
Größtenteils ja. Verstellbare Sitztiefe, Armlehnen in drei Richtungen, eine verstellbare Lordosenstütze und eine Kopfstütze: Diese Kombination findest du sonst meist erst bei Stühlen einer höheren Klasse. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis schneidet der Vivadapt deshalb stark ab.
Der Unterschied zu teureren Stühlen zeigt sich vor allem nach dem Kauf. Die Garantie läuft zwei Jahre und damit nicht länger als die gesetzliche Gewährleistung, während Hersteller höherer Klassen oft fünf bis zwölf Jahre geben. Nutzt du den Stuhl intensiv, gehen Reparaturen nach diesen zwei Jahren auf deine Kosten. Für ein Homeoffice, in dem Verstellbarkeit mehr zählt als eine lange Lebensdauer, ist der Vivadapt ein überraschend vollständiger Bürostuhl.
Rutger gründete Buroreview.eu aus persönlicher Frustration. Als Niederländer und Homeoffice-Nutzer von 1,95 Meter merkte er schnell, dass die meisten Bürostühle nicht für ihn konzipiert sind und dass ehrliche, unabhängige Beratung im deutschsprachigen Raum kaum zu finden ist.
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